
Wendland-Chrono 2026 Rennbericht
Am Wochenende ging es mal wieder zum Zeitfahren ins Wendland. Seit Ewigkeiten ein Klassiker jeden Sommer, dieses Jahr für mich zum ersten Mal nicht nach Prezelle. Mein Recap.
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Da ist er endlich, mein Blog zum Wendland-Chrono 2026.

Am Wochenende ging es mal wieder zum Zeitfahren ins Wendland. Seit Ewigkeiten ein Klassiker jeden Sommer, dieses Jahr für mich zum ersten Mal nicht nach Banzau, sondern nach Prezelle. Dies ist mein Senf dazu.

Hier ist alles etwas anders: Das Wendland
Das Wendland ist ein bisschen wie das Dorf von Asterix. Alles ein bisschen anders als im Rest der Republik, aber in positivem Sinne. Von Hamburg aus merkt man irgendwann nach Lüneburg, dass hier die Uhren anders ticken. Ob das damit zu tun hat, dass hier lange Zeit die Welt zu Ende war? Oder man versucht hat, dezent den Atommüll der Republik da zu verbuddeln? Keine Ahnung. Eine Konsequenz dankenswerterweise: Hier ist wenig los, und es gibt immer noch ein richtiges Zeitfahren auf einer großen Runde statt Wendpunktkurs mit 180 Grad Drehung auf einem Acker.

Ewig ging es dafür nach Banzau zur berühmten Stunde von Banzau, wo zum Schluss die Straße auch eher den Charakter eines Ackers hatte. Banzau ist seit zwei Jahren Geschichte, dafür gibt es von der örtlichen Crew von der IGAS Wendland jetzt den Nachfolger in Prezelle, der am Sonntag zum zweiten Mal ausgetragen wurde. Diese Ortsnamen sind im Wendland auch ein Klassiker.

Geblieben ist der Spirit, und dazu gehört neben dem Rennen immer auch das Drumherum mit einem Dorfplatz, auf dem vor und nach dem Rennen alles stattfindet. Und es gibt die Feuerwehr, die sich offenbar wirklich freut, wenn Radfahrer kommen, deren Strecke man dann ein paar Stunden absichert. Plus es gibt Stimmungsnester von Familien am Kurs, die sich auch freuen, wenn ein paar Stunden lang ein paar Irre vorbei ballern. Und es gibt regionales Essen und Trinken. Immer was mit Kartoffeln, Bratwürsten aus örtlichem Wild und Bio Zisch von Völkel. Die kommen nämlich auch aus der Ecke. Was ich ein bisschen vermisst habe, war das Bier von Wendland Bräu. Aber mir war nach dem Rennen dieses Jahr eh erst mal schlecht.

Auch so ein Klassiker: das Führungs- und Schlussfahrzeug von Citroën, das jedes Jahr einmal aus der Garage darf, wenn die Zeitfahrer kommen.

Das Sportliche beim Wendland-Chrono
Es gab den Mix aus wahlweise einer Runde, zwei Runden (dann 45 km) und einer Rennradwertung. Mein Tipp für alle Veranstalter: Macht das auch so und holt so viele Leute wie möglich ins Boot. Nicht jeder kann/will sich ein Zeitfahrrad kaufen. Oder gleich eine Stunde oder länger fahren.

Und vom Erlebnis ist es eh das Gleiche, am schönsten ist ein Zeitfahren nämlich immer, wenn es vorbei ist. Egal ob mit oder ohne Aerolenker.

Mein ursprünglicher Plan
Für mich ging es weit aus dem Fenster gelehnt um die große Packung über zwei Runden. Schon beim Streckencheck einmal rum habe ich gemerkt, was ich mir da für ein Brett gebucht habe.
Der Plan war, etwas gemäßigter als sonst loszufahren und unterwegs, wenn überhaupt, dann nur zum Ende hin zu leiden. Wettertechnisch ging es bei unter 20 Grad los, es sollte dann Richtung 25 Grad warm werden. Thema dieses Jahr, speziell dank Core Sensor am Puls-Gurt, war das Temperaturmanagement. Vorher gab es das Einfahren samt Eis-Weste, im Tank am Lenker und damit am Puls des Unterarms gab es Crushed Ice, und dann die Annahme, dass das schon reichen würde.

Die bittere Realität
Die erste Runde lief ganz passabel, alles fühlte sich unter Kontrolle an. Manchmal habe ich wen überholt, und drei Sekunden zu früh wurde ich dann von meinem Minuteman Julian Braun eingesackt. Warum zu früh? Ich hatte mich mit einem 45er Schnitt einkalkuliert und ihn mit einem 49er. Bei mir hat das gepasst, er war aber nach 12 Minuten 27 Sekunden schon auf Kurs zu einem 50er Stundenmittel. Bei einem Jedermann-Zeitfahren. Tja, da kann man nichts machen. Außer dumm gucken, wie der Kollege am Horizont verschwand, schon auf dem Weg nach Japan zur UCI-WM jetzt im August.


Bei der ersten Zieldurchfahrt fühlte sich auch noch alles gut an, und ab jetzt war es ja nicht mehr weit. Immer erstaunlich, wie man sich unterwegs auch das größte Elend schönreden kann, wenn man eine Startnummer dran hat: „So, nun nur noch 20 Kilometer einatmen und ausatmen und wechselseitig ein Bein heben und fallen lassen.“
Wie sehr Realität und Wahrnehmung auseinanderliegen, merke ich nämlich oft erst in der Auswertung. Also: Ich habe in der zweiten Runde 15 Watt verloren, dafür ging mein Puls um 5 Schläge hoch. Meine Körperkerntemperatur laut Core lag über 38,5 Grad, und das halte ich schon bei ganz lockerer Grundlagenfahrt auf der Rolle nicht lange aus. Im schwarzen Einteiler, mit Aero-Helm und unter Volllast offenbar auch nur bedingt.

Ich dachte unterwegs, ich sei schnell dabei, habe auch immer noch Leute eingesackt, und dann kommt kurz vorm Schluss noch der Kollege Cepnik an mir vorbei gebraten, der 90 Sekunden nach mir los ist. So richtig weg kam der auch nicht mehr, aber den Vorsprung hatte der nun mal im Sack. Und damit auch den Sieg in unserer Altersklasse. Ob das Überholen denn nun unbedingt noch sein musste, habe ich ihn gefragt. Er so: „Ja, ich wusste ja nicht, wo das Ziel ist.“ Vermutlich da, wo es nach der ersten Runde oder letztes Jahr auch schon für dich war 😉.

Die Nachbereitung von 45 Kilometern Anschlag
Im Ziel gab es dann wie immer das volle Paket mit Hängen und Würgen, wenn ich mich so richtig abgeschossen habe. Meine Liebste holte mir immer wieder Mineralwasser, und ich bin wieder rein in meine Kühlweste. An Essen und Trinken war nicht zu denken, außer an den kalten Kakao, den ich bei sowas immer in der Kühlbox habe. Auch danach war mir aber stundenlang noch übel. Gern also mal her mit euren Tipps zum Thema Kühlung vor, während und nach dem Rennen.

Die Tagesschnellsten auf dem Podium
Aufs Podest ging es anders als früher nicht mehr, da standen dann für die lange Runde die Herren (von links nach rechts) Gerstung, Braun und die beiden gleichschnellen Dritten Haberlandt und Cepnik. Glückwunsch, ihr schönen schnellen Menschen.
Zu den Ergebnissen geht es hier.

Für uns zwei Hübschen ging es danach dann noch an den Gartower See und nach Hitzacker (noch ein Ort mit Z) und dann abends gut gegrillt nach Hause. Das Wendland war auf jeden Fall wieder die Reise und das stundenlange Geeier über die Landstraße wert.

Für mich next up: das Zeitfahren in Kleinkummerfeld am Samstag. Zum Glück etwas kürzer und nur bei prognostizierten 20 Grad.
Wer jetzt noch Inspiration für die kommenden Wochen samt Terminübersicht sucht, wird hier in meinem Rennkalender fündig.
Danke an das Team der IGAS um Daniel Freyher für das Event und die wochenlange Vorbereitung. Und Danke an Dennis Krause im Punktetrikot der Tour de France für die Bilder.

Ach so, der Termin für nächstes Jahr steht auch schon: Der 1. August 2027.

Wir sehen uns!



