Super-gau Reifen runter Teil 1

Heute gibt es was aus der beliebten Reihe „Oh, das hatten wir so noch nie!“. Mir ist vor ein paar Wochen nämlich etwas was passiert, das ich niemandem wünsche –…

Datum

Lesezeit

6–9 Minuten

Heute gibt es was aus der beliebten Reihe „Oh, das hatten wir so noch nie!“. Mir ist vor ein paar Wochen nämlich etwas was passiert, das ich niemandem wünsche – und so in der Tat auch noch nie hatte. Mir ist bei vollem Karacho der Vorderreifen von der Felge geflogen. Weil das, wie ich inzwischen weiß, ein komplexeres Thema ist und da viele Faktoren mit reinspielen, ist das hier bewusst nur die erste Folge dazu. More to come.

Bild

Es geht im Folgenden um Tubeless, nicht um Hookless, also Felgen ohne Horn, in das der Reifen einhakt. Das Fass werde ich hier jetzt nicht auch noch aufmachen. Also merken, ich fahre bei allem in Richtung Zeitfahrrad aktuell ganz bewusst nur Hakenfelgen.

Bild
Gutes Beispiel für eine Hakenfelge von DT Swiss aus der Schweiz. Danke für das Bild.

Zusammengefasst geht die Geschichte bis jetzt so: Ich war schon ein paar Wochen auf dem Zeitfahrrad mit dem neuen Continental Aero 111 Vorderreifen unterwegs, der speziell auf den Segeleffekt, und was ich noch viel wichtiger finde, die Fahrstabilität bei starkem Seitenwind ausgelegt ist. Wer zu dem Reifen mehr wissen will, der wird hier im Video fündig, mit den drei Firmen Continental, DT Swiss und Swiss Side, das wir in Roth aufgenommen haben.

Der Aero 111 ist ein Kooperationsprojekt dieser drei Firmen und wichtig, DT Swiss verkauft den Aero 111 mit seinen Laufrädern ganz bewusst als Wheel-Tire-System. Ja, das klingt auf den ersten Blick nach Marketing-Sprech. Bei Swiss Side gibt es den Reifen auch einzeln, aber wohlgemerkt, die Felgen sind die gleichen wie bei DT Swiss. Persönlich finde ich das so stimmig und abgestimmte Kombinationen wird auch die Entwicklung der Zukunft sein müssen.
Erstens, weil es gerade im Hinblick auf die Aerodynamik auf die Abstimmung von Laufrad und Reifen ankommt, siehe etwa auch die Kooperation von Scott/Syncros und Schwalbe aus dem letzten Jahr oder die Tatsache, dass Giant mit seiner Tochterfirma Cadex auch Felgen und Reifen parallel entwickelt.
Zweiter Grund: Damit sowas wie ich es jetzt hatte, nicht mehr passiert und auch alle Passungen und Toleranzen hinhauen, müssen Felge und Reifen zwingend auch innen aufeinander abgestimmt sein. Dafür gibt es Normen wie ISO und Standards wie ETRTO, im Detail geht es darum dann aber ab dem zweiten Teil und das wird lustig.

Ich hatte und habe den Reifen auf einem 80er Vorderrad aus der ARC Serie der Schweizer im Fahrbetrieb und bin von dessen Perfomance echt angetan.

Bild
Als noch alles heil war: Mein geil es neues Plasma TT von Scott, auch aus der Schweiz.

Bei Zeitfahren in Dänemark und Husum, beide Male bei extremem Wind hat der 111 echt prima performt. Nun bin ich ja ein neugieriger Mensch und habe den Keller voller Material, das einen immer noch schneller machen soll. Paradebeispiel: Ein 100 Millimeter hohes Vorderrad namens „Titan“ vom Anbieter Aerocoach aus UK. Das habe ich seit zwei Jahren, im Wettkampf gefahren habe ich das noch nie, weil es mir zu anfällig bei Seitenwind war, zumindest bei den hier im Norden üblichen Bedingungen. Logische Konsequenz war es also, einen weiteren 26 Millimeter breiten Aero 111 auf das Vorderrad zu ziehen und zu gucken, wie sich das wohl fährt.

Gut zu wissen für alle Aero-Nerds: Mit den 20 Millimetern Innenmaulweite vom DT Swiss ARC 1100 schließt der Reifen super ab und ist etwas schmaler als der bauchige Part der Felge. Wer ganz viel Zeit hat, googelt dazu mal die „Rule 105“, von der die Amis in dem Zusammenhang immer reden, der Begriff stammt ursprünglich aus dem HED-/Zipp-Universum.

Aerocoach baut auch knappe 20 Millimeter innen und der Reifen ging Conti-typisch auch auf das Titan sehr eng drauf, hielt die Luft dann aber schon ohne Dichtmittel in der Werkstatt ein paar Tage. Das habe ich so bei den anderen Reifen selten bis eher gar nicht.

Weitere Eckdaten: Weil 100 Kilogramm Systemgewicht, gingen auf den ersten Blick recht hohe  6,5 Bar da rein und zwar am Morgen vor dem Losfahren, wie immer bei allen Tubeless-Combos. Manchmal wundert man sich dabei, wie viel Druck da auch innerhalb eines Tages schon wieder raus ist. Willkommen im Tubeless-Universum.


Bevor es jetzt ans Wesentliche geht, eine kurze Pause für Werbung

Ganz viele Sachen zum Schnellfahren außer Reifen und Laufrad gibt es bei mir im derbaranski.shop. Ob Cockpit-Parts, gewachste Ketten, Fast Food, ein paar Tools oder was zum Anziehen und schnell Aussehen, alles von mir vorher ausprobiert und damit „Der B approved“. Ach ja, deine Konkurrenz kauft schon lange bei mir ein. Und ich habe rund um die Uhr offen.

Bild

Werbung Ende


Leider war die Fahrt mit den neuen Setup schneller wieder vorbei als geplant. Ich war am Ende des ersten K3-Intervalls und wie ich jetzt weiß, mit 45 m/h unterwegs, als ich ein paar Bahnschienen kreuzte. Durch den Impact von Schiene und Laufrad gab es einen lauten Knall, der Reifen verließ links komplett das Felgenbett und es ging noch ein paar Meter auf dem blanken Carbon weiter. Lenken ist damit nicht mehr drin, deshalb macht ich den Abgang und rutschte noch ein paar Meter rüber auf die Gegenspur. Zum Glück konnten alle noch anhalten und kamen wie ich auch mit dem Schrecken davon. Wer mag/das noch nicht gesehen hat und mich nach Worten Dritter auch mal emotional erleben möchte, dem sei das Video hierzu auf Instagram empfohlen, das ein paar Tage danach entstand, live und direkt von meiner Hollywoodschaukel, noch gut verbeult.

Konsequenz war ein Totalschaden an Vorderrad und Reifen und mein fast neues Scott Plasma TT sieht jetzt auch nicht mehr fast neu aus. Sowas tut mir immer mehr weh als die Pizza am Knie.

Dass es auf Kosten vom Material gehen würde, war mir schon im Rutschen klar. Wer schonmal das Krachen von Carbon auf Asphalt miterlebt hat, weiß wo von ich rede. Ich selbst habe schöne große Hautabschürfungen davongetragen, einen richtig dicken Ellenbogen und ein riesengroßes Hämatom an der Hüfte. Alles nichts im Vergleich dazu, was hätte passieren können, wenn der SUV nicht mehr reagiert hätte. Oder wenn das im Stadtverkehr passiert wäre. Oder im Dunklen. Oder bergab. Im Vergleich zu allen Schlaglöchern, Gullydeckeln oder den Löchern im Asphalt im Landkreis Harburg war die Schiene nämlich ein Witz.

Bild
Die Schiene samt erstem Latex-Klecks.

Direkt an der Schiene und dann noch zwei und vier Meter weiter war ein dicker Latex-Klecks auf dem Asphalt und am Ende lag ich zirka zwanzig Meter hinter den Schienen auf der Straße. Danke an alle beteiligten Autofahrer an dieser Stelle fürs Anhalten, das muss alles filmreif ausgesehen haben. Den angebotenen Krankenwagen habe ich dann abgelehnt und mich erstmal über die Schäden am Material aufgeregt. Alleine im Gras liegend war dann dummerweise absehbar, dass es mit Weiterfahren nichts mehr werden würde. Frauchen war im Urlaub – und bekam die Garmin Notfallbenachrichtigung, an die ich in dem Moment leider überhaupt nicht gedacht habe. Merke, wenn man nicht wirklich schlimm dran ist, bitte ganz schnell wieder abstellen das Gebimmel.

Danke an dieser Stelle an Louis „Taxi“ Kitzki, der mich dann aufgesammelt und nach Hause gefahren hat. Zum Glück beziehungsweise auf den ersten Blick waren nur Knie und Ellenbogen offen, ich habe mir eine Portion Müsli reingeschaufelt und bin wieder rauf aufs Rennrad, die restlichen vier Intervallen durchrocken. Das ging prima so unter Strom, bei Nummer eins standen viel weniger Watt als bei Nummer zwei bis fünf. Was die nächsten zwei Wochen leider gar nicht ging, ein bisschen blöd im Monat vor der WM in Aalborg, war alles auf dem Aero-Lenker und in der Armschalen, einfach aus Platzgründen, weil der Ellenbogen so dick war, da ich ja genau da drauf gedonnert war.

So, bis hierin für heute erstmal. Das Laufrad tingelt inzwischen durch Europa zum Vermessen und Schadensbegutachtung. Zwischenfazit: Ich habe einfach nur Sauglück gehabt, dass da nicht mehr passiert ist. Natürlich ist das Szenario jetzt ein Extrem, aber sowas passiert halt im Fahrbetrieb. Das Thema Reifen und Laufrad ist ja in der Industrie aktuell ein, sagen wir mal intensiv und kontrovers diskutiertes, schon wegen der Vorfälle im Frühjahr im Profifeld vor laufender Kamera, wo sich auch Bauteil eins von Bauteil zwei verabschiedet hat.

Bild

Es wird hier im Blog zeitnah mindestens noch einen oder zwei weitere Beiträge geben, wobei es dann um sinnige und unsinnige Normen, Testverfahren, die ETRTO und O-Töne aus der Industrie und auch von euch gehen wird. In der Zwischenzeit habe ich nämlich ein paar ganz interessante Stories von euch dazu im Posteingang. Wer noch eine hat, gern her damit.

Bild
Club Pizza auf Tour

Next Stop jetzt erstmal: Masters-WM in Dänemark nächsten Donnerstag.

#timetrial #timetrialtuesday #timetrialling #aerowheels #getaero #marginalgains #weightweenies #triathlon #rennrad #zeitfahren #fratzengeballer #aerocoach #tubelesstires #derbaranskishop #zeitfahrhacks #tubelesstires